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Vernichtende Reaktion auf das Verkehrsentlastungskonzept

„Extrem geschäftsschädigend“ – „falscher Zeitpunkt für ein Experiment“ – „fixfertiger Blödsinn“: Mitglieder von Wirtschaft Buchs fanden am Montagabend vernichtende Worte für das Konzept, mit dem der Stadtrat Massnahmen zur Entlastung mehrerer Verkehrsknoten im Buchser Zentrum vorschlägt.
Laut Stadtpräsident Daniel Gut seit das Betriebs- und Gestaltungskonzept nun in der Vernehmlassung, und der Stadtrat hoffe auf viele Rückmeldungen und Verbesserungsideen. Beim „Gewerbeverein“ ist die Rückmeldung klar. An einer Informations- und Diskussionsveranstaltung fand das Konzept keine Gnade. Die rund 40 anwesenden Mitglieder waren sich nach einer Vorstellung durch Herbert Bokstaller einig, dass man bereits in der jetzigen Phase klar Nein sagen müsse.

„Wir sind ganz klar gegen das vorliegende Konzept“, betonte Herbert Bokstaller, Präsident von Wirtschaft Buchs, gestern nach einer Vorstandssitzung. Damit werde der schon mit dem Richtplan eingeschlagene „falsche Weg“ für die Verkehrsführung im Buchser Zentrum weitergeführt. Es gelte, „dem einen Riegel zu schieben“. Der Vorstand möchte, dass das vergangene Woche am Wirtschaftsznüni vorgestellte Konzept schlicht „Makulatur“ wird. Der Stadtrat soll stattdessen andere Möglichkeiten aufzeigen, so Bokstaller. Insbesondere brauche es zuerst eine Entwicklungsplanung für das Buchser Zentrum, auf der dann das Verkehrskonzept basieren soll.

Dass die Autos über die Bäckergasse – vor Wochenfrist hat die Stadt noch von der Volksgartenstrasse gesprochen – von der Bahnhof- auf die Grünaustrasse geführt werden sollen, sieht Wirtschaft Buchs als weiteren Schritt in Richtung einer autofreien Bahnhofstrasse. Diese schleichende Entwicklung lehnen die Geschäftsbetreiber rigoros ab, weil sich das unmittelbar negativ auf ihre Umsätze auswirke. Das würden Beispiele an vergleichbaren Orten zeigen. Generell wurde der Handlungsbedarf bestritten. Die im Herbst 2014 geschaffene Begegnungszone habe sich bewährt, weiterer Anpassungsbedarf bestehe nicht.
Auch der geplante Gegenverkehr auf dem obersten Teil der Grünaustrasse – „bei sehr engen Verhältnissen“ – wird von Wirtschaft Buchs als Verminderung der Attraktivität und als erster Schritt zum vollständigen Gegenverkehr abgelehnt.
Die Aufhebung der bestehenden Bushalte-Buchten auf der Churer-/St. Gallerstrasse, ein weiterer Teil des Konzeptes, erntete ebenso harsche Kritik von Wirtschaft Buchs. Wenn die Busse wie vorgesehen auf der Strasse halten müssten, verursache das eine „Rückstau-Handorgel“ auf der gesamten Staatsstrasse vom See bis nach Räfis.

Der Buchser Stadtpräsident Daniel Gut verweist darauf, dass das Konzept, das vor Wochenfrist am Wirtschaftsznüni vorgestellt worden ist, weder beschlossen noch genehmigt sei. „Wir sind erst in der Konzeptphase“, betont er. Der Stadtrat stelle das vorgestellte Konzept zur Vernehmlassung. Es liege ein Entwurf auf dem Tisch, den man diskutieren könne und soll. „Wir saugen die Rückmeldungen gerne auf“, so Gut. Meinungen und Ideen zur Verbesserung würden in die weitere Bearbeitung einfliessen. Eine Information und Diskussion für die Bevölkerung findet voraussichtlich am 5. April in der Aula Flös statt.

„Nichts ist in Stein gemeisselt“, betont Daniel Gut. Das gelte auch für die aufgezeigte Führung der Autos auf die Grünaustrasse und von dort im Gegenverkehr bis zum geplanten Kreisel an der Churerstrasse. Gut sagte, dass entgegen den Ausführungen am Wirtschaftsznüni die Führung der Personenwagen von der Bahnhof- zur Grünaustrasse durch die Bäckergasse und nicht durch die Volksgartenstrasse erfolgen soll.
Lastwagen und Busse würden laut dem Konzept sowieso weiterhin auf der Bahnhofstrasse bis zur Rathaus-Kreuzung verkehren. Der Stadtrat schaue sich gerne andere Möglichkeiten an, erachte es aber als seine Pflicht, für den prognostizierten Verkehrskollaps und die Unfallgefahr bei der Einmündung der Bahnhof- in die Churerstrasse Lösungen vorzubereiten.

Der Stadtrat wolle keinesfalls schrittweise die Bahnhofstrasse autofrei machen und zentrumsnahe Parkplätze aufheben, wie Kritiker es empfinden. «Das Einkaufszentrum ist und bleibt uns sehr wichtig», betont Gut.
Weiter unterstreicht der Stadtpräsident: «Der Rat will keine Konfrontation mit Wirtschaft Buchs, sondern im Gegenteil das vorliegende Konzept mit dessen Vertretern zusammen weiterentwickeln. Das wurde Wirtschaft Buchs unmittelbar nach dem Wirtschaftsznüni auch so angeboten.»

Bei der Erarbeitung eines Parkierungskonzeptes, in die Wirtschaft Buchs massgeblich einbezogen worden sei, habe man schon 2011 und 2012 erkannt, dass die Verkehrsknoten im Buchser Zentrum mittelfristig überlastet seien.
Deshalb habe der Stadtrat seine Verantwortung wahrgenommen und vorausschauend Lösungsansätze für die Zukunft überlegt, sagt der Stadtpräsident. Gerne schaue der Rat mit Wirtschaft Buchs das Konzept in kleinerem Kreis detaillierter an, um es intensiver zu diskutieren.

Das Betriebs- und Gestaltungskonzept wurde von kantonalen Stellen und der Kantonspolizei vorgeprüft. Gut begründet dies damit, dass es keinen Sinn mache, ein Konzept zu entwickeln und öffentlich zu diskutieren, das danach von den Zuständigen als nicht genehmigungsfähig erachtet werde. (Quelle:W&O)


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