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Für beide Seiten ein Gewinn

Die IG Einkaufszentrum und der Gewerbe- und Industrieverein vereinen sich zur Dachorganisation Wirtschaft Buchs. Präsident Herbert Bokstaller und Christoph Helbling von der Gruppe Handel erklären die Hintergründe der Fusion.
Am Dienstag, 13. März 2012, haben die Interessengemeinschaft Einkaufszentrum Buchs sowie der Gewerbe- und Industrieverein Buchs ihre letzte Hauptversammlung abgehalten. Künftig sprechen die beiden Vereinigungen mit einer Stimme, der von Wirtschaft Buchs. Die neue Dachorganisation zählt bereits über 230 Mitglieder und will bei der zukünftigen Gestaltung der Kleinstadt Buchs – in politischen, wirtschaftlichen und in Bildungsfragen – kräftig mitwirken. (Interview Wirtschaft Regional)
WR: Herr Bokstaller, ist die Integration des Vereins IG Einkaufszentrum Buchs in den Gewerbe- und Industrieverein reibungsfrei verlaufen oder stiessen die Pläne auch auf Widerstand?
Herbert Bokstaller: Wir haben schon vor Jahren über einen Zusammenschluss nachgedacht, damals war die Zeit aber noch nicht reif. Vor zwei Jahren haben wir die Pläne noch einmal vorgebracht und im vergangenen Jahr wurde der Antrag dann einstimmig angenommen. Mit der Integration wurde der Vereinsname zu Wirtschaft Buchs geändert.
WR: Herr Helbling, weshalb suchte der Buchser Handel den Schulterschluss?
Christoph Helbling: Die Strukturen im Detailhandel haben sich geändert. Es war klar, dass wir uns neu organisieren mussten. Beim Gewerbe- und Industrieverein anzuklopfen, war daher naheliegend. Wir sind dann auch auf offene Ohren gestossen.
WR: Welche Strukturveränderungen meinen Sie?
Helbling: Früher stand der Inhaber noch selbst im Laden und hat sich auch im Verein engagiert. Heute gibt es in Buchs viel weniger privat geführte Geschäfte, mehrheitlich sind in Buchs Filialisten tätig. Dieser Wandel hat übrigens nicht nur bei uns stattgefunden. Es gibt auch bei den Filialisten Leute, die sich sehr im Verein engagiert haben, aber es sind eben weniger. Daher hat es schon der personellen Engpässe wegen Sinn gemacht, dass man die beiden Vereinsvorstände zusammenlegt und die Kräfte bündelt.
WR: Was kann der Handel in den neuen Dachverband einbringen?
Bokstaller: Der Handel wird sicher mit vielen Aktivitäten aufwarten, gerade im Zusammenhang mit der Entwicklung an der Bahnhofstrasse.
Helbling: Wir werden im Marketingbereich sicher eine gewisse Dynamik in den Verein einbringen können. Das ist eine unserer Stärken, weil wir vom Verkauf an der Front unsere Erfahrungen haben. Wir wiederum profitieren von einem Netzwerk, das bei der IG Einkaufszentrum Buchs nicht mehr so stark vorhanden war. Von daher ist der Zusammenschluss für beide Seiten ein Gewinn.
WR: Wie gross ist die Akzeptanz von Wirtschaft Buchs bislang?
Bokstaller: Wir sind durch alle Branchen vertreten. Vom Gärtner bis zum Grosskonzern, wie Sigma-Aldrich beispielsweise. Aber selbstverständlich würden wir uns über weitere Mitglieder freuen. Nur wenn wir wachsen, werden wir stark. Wir wollen der Ansprechpartner für die Politik sein, unsere Ideen definieren und deponieren. Dafür brauchen wir eine gewisse Akzeptanz.
Helbling:Wir erwarten ja einige neue Geschäfte in Buchs und dadurch neue potenzielle Mitglieder, die wir ins Boot holen wollen.
WR: Inwiefern werden den Verein die Neubauten an der Bahnhofstrasse beschäftigen?
Bokstaller: Die Gestaltung des Zentrums Buchs ist sicher ein grosses Projekt. Wer an der Bahnhofstrasse entlangfährt, sieht, dass vieles im Entstehen ist und es soll noch weitere Neubauten geben. Das ist auch mit Problemen verbunden. Lärm und Staub können die direkt angrenzenden Detaillisten belasten und dann ist da noch das Problem der fehlenden Parkplätze. Um diese Übergangsphase zu meistern, haben wir bereits einige Ideen entwickelt. Derzeit verhandeln wir mit der Gemeinde.
Helbling: Im letzten Jahr haben wir gemeinsam bereits sehr intensiv gearbeitet. Doch die Arbeit hat sich gelohnt, es ist eine tolle, dynamische Organisation entstanden, das sieht man auch am neuen Internetauftritt. Jetzt müssen wir uns stärker praktisch engagieren.
WR: Wie beurteilen Sie die Veränderungen an der Bahnhofstrasse?
Helbling: Aus Sicht des Handels ist das sehr positiv. Buchs entwickelt sich weiter, was gerade in der jetzigen unsicheren Zeit einen gewissen Halt gibt. Es werden neue Geschäfte entstehen, die das bestehende Angebot ergänzen. Davon profitiert schlussendlich jeder bestehende Händler. Ich würde mir persönlich aber wünschen, dass sich Buchs nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ weiterentwickelt. Natürlich werden auch einige Modegeschäfte dazukommen, aber es wäre auch wichtig, dass wir den Kunden ein breites Angebot bieten können. Wir wollen uns qualitativ von den grossen Shoppingzentren auf der grünen Wiese abheben, ein anderes Einkaufserlebnis bieten. Hier wird die Gruppe Handel auch den Hebel ansetzen.
Bokstaller: Mit den Neubauten wird der Detailhandel gestärkt. Auch das Gewerbe profitiert natürlich vom Bauboom. Doch wir haben noch mehr zu bieten. Wir wollen auch den Bildungsstandort stärken, deshalb haben wir innerhalb des Vereins das Ressort Bildung geschaffen.
WR: Was wollen Sie in diesem Bereich erreichen?
Bokstaller: Ohne Bildung geht nichts, ohne Wirtschaft auch nicht. Wenn man Lehrlinge an der Wirtschaft vorbei ausbildet, läuft etwas schief. Leider ist das ein Trend, den wir festgestellt haben. Hier wollen wir ansetzen. Wir werden nicht gegen kantonale Lehrbücher ankämpfen, aber wir wollen zumindest im Bereich Weiterbildung Fuss fassen und beim BZB, NTB und bei der International School mitwirken.
WR: Welches Gewicht hat der Standort Buchs Ihrer Ansicht nach in der Region?
Helbling:Vom Handel her sind wir sicher sehr bedeutend. Wenn wir die grossen Shoppingzentren einmal ausklammern, sind wir auf der Schweizer Seite eines der grössten Einkaufszentren zwischen Chur und St. Gallen. Generell denke ich, hat Buchs eine wichtige Funktion, auch als Bildungsstandort und Verkehrsknotenpunkt.
Bokstaller: Buchs ist eine Zentrumsgemeinde, wobei wir immer noch bewusst Gemeinde sagen, trotz des Kleinstadtcharakters. Wir haben eine Zentrumsfunktion, die wir wahrnehmen. Wir müssen viele Dinge neu aufgleisen, wovon dann vielleicht auch angrenzende Gemeinden profitieren können.
WR: In Buchs wird laut über eine Fusion mit den angrenzenden Gemeinden nachgedacht, durch die eine Stadt Werdenberg entstehen könnte. Wie stehen Sie zu solchen Ideen?
Bokstaller: Bei dieser Frage gibt es einen politischen und einen wirtschaftlichen Teil. Es gibt Leute, die wollen die Stadt Werdenberg in fünf bis sieben Jahren ausrufen. Ich denke, das ist eine etwas euphorische Vorstellung. Es wird dauern, bis sich die Vorstellung in den Köpfen der Leute festgesetzt hat.
Helbling: Die Entwicklung, dass Gemeinden näher aneinanderrücken, ist ja nicht neu. Gerade in der Verwaltung ist es vorteilhaft, Kompetenzen zusammenzulegen und regional Schwerpunkte zu setzen. Die Entwicklung ist nicht zu stoppen. Ich denke, dass eine Fusion zur Stadt Werdenberg kommen wird, früher oder später.
Bokstaller: Zwischen den verschiedenen Gemeinden wurde die Zusammenarbeit ja schon verstärkt. Es macht Sinn, dass man beispielsweise Zivilstandsämter zusammenlegt oder die Feuerwehren bei einem Brand nicht an der Seveler Grenze haltmachen. Aber in den Köpfen der Bürger muss das Grenzdenken noch überwunden werden, die Idee muss noch reifen.
WR: Ein schwieriges Thema ist auch der Ausbau des öffentlichen Verkehrs.
Bokstaller: Die Umsetzung des Projekts S-Bahn FLACH und der Bau einer Doppelspur nach Sargans sind wichtige Themen. Doch wir sind in der Ostschweiz und damit weit weg von der eigentlichen Schweiz, den Zentren Zürich und Bern. Selbst im Kanton St. Gallen werden wir gerne vergessen. Ich sag etwas böse, der Kanton geht von Wil bis Rorschach, dann ist Schluss. Aber uns gibt es auch noch, wir gehören auch dazu.
Helbling:Verkehr ist immer auch verbindend. Je besser dieser funktioniert, desto näher kommen sich die Leute. Von daher wäre es sehr wichtig, diese Pläne zu unterstützen.
WR: Muss man sich als Detailhändler nicht auch Sorgen machen, wenn Feldkirch von Buchs aus einfacher zu erreichen wäre?
Helbling: Man muss über die aktuelle Situation hinwegsehen. Wir haben ein Euro-Problem, das ist hinlänglich bekannt. Aber ich denke nicht, dass die Situation in 20 Jahren noch die gleiche sein wird. Man sollte diese Dinge nicht vermischen. Der Ausbau des grenzübergreifenden Verkehrs wäre für die gesamte Region sehr positiv.

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