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GIV-Lunch-Thema: «Der Franken ist reell bewertet»

Von Thomas Schwizer
Die Schweizer (Export-)Wirtschaft muss – und kann – sich darauf einstellen, dass der Wechselkurs Franken–Euro– Dollar im laufenden Jahr etwa bleibt wie er heute ist. Das sagte Finanzmarktspezialist Walter Metzler am GIV-Lunch vom 8. Februar 2011.

Die Dynamik der Exporte wird durch den starken Franken etwas gebremst, aber die Zeichen stehen weiter auf Erholung der Konjunktur – in der Schweiz wie im «Euroland» (Länder mit dem Euro als Währung) und in den USA.Auch wenn die Erholung heuer etwas gedämpft werden dürfte, darf man grundsätzlich mit einer positiven Wirtschaftsentwicklung rechnen, so Walter Metzler, Senior Investment Advisor der Bank Vontobel.

Internationaler Kontext im Zentrum
Metzler verkündete seine interessanten «Wirtschaftsperspektiven 2011» gestern am GIV-Lunch des Gewerbe- und Industrievereins Buchs im «Buchserhof», der unter dem Patronat der RaiffeisenbankWerdenberg stand.
Er stellte seinen Ausblick in einen internationalen Zusammenhang. Dieser ist für die wirtschaftliche Entwicklung des Exportlandes Schweiz mass- gebend. Entscheidend für die Exporte der Schweiz sei die globale Nachfrage, Wechselkursschwankungen würden den Export aber zusätzlich anstossen oder bremsen. Dennoch sieht der Vontobel-Analyst in einer von einigen ins Spiel gebrachten Anbindung des Frankens an den Euro deutlich mehr Gefahren als Chancen.
Die Schweiz habe im Vergleich mit dem «Euroland» und den USA die beste Wirtschaftsleistung. Schon vor der Krise habe sie das höchste Wachs- tum ausgewiesen, während der Krise den geringsten Einbruch und nach der Krise den stärksten Aufschwung, zeig- te Metzler mit Grafiken auf. Dann beantwortete er die Frage: «Aber geht es so weiter?»

Wechselkurs als Schicksalsfrage
Tatsächlich bilde der Wechselkurs mit dem starken Franken und dem schwachen Euro für die Schweiz die Schicksalsfrage. Der starke Franken würge den Aufschwung nicht ab, aber er bremse bestimmt die Dynamik der Exportentwicklung. In dieser Phase befinde man sich bereits. Bereits seit 1975, so zeigte Metzler, sei der generelle Trend, dass der Franken handelsgewichtet pro Jahr rund ein bis zwei Prozent gegenüber den anderen Währungen aufgewertet wor- den sei. In dieser Zeit sei der Export unseres Landes real, also nach Abzug der Teuerung, massiv angestiegen. Seit Einführung des Euro sei dieser über- bewertet gewesen, auf Basis der Kauf- kraftparität sei das heutige Wechsel- kursverhältnis zum Schweizer Fran- ken eigentlich reell und stimme.

«Was nicht umbringt macht stark»
Verschiedene «Mittel» gegen den star- ken Franken – weitere Interventionen der Nationalbank, Frankenanbindung an den Eurokurs, Subvention der Exportindustrie – beurteilt Metzler skeptisch. Die bekannten Stärken der Schweizer Wirtschaft – Innovations- geist und Wettbewerbsfähigkeit – pflegen ist für ihn das richtige Rezept. «Was uns nicht umbringt, macht uns stark», muss das Motto sein.
«Trotz gewisser Abschwächungstendenz bleiben die Aussichten po- sitiv», blickt er voraus. Der private Konsum als wichtige Stütze entwickle sich in der Schweiz, im «Euroland» und in den USA positiv, die Unternehmensstimmung sei gut. Zudem gebe es kein Inflationsproblem, weshalb die Leitzinsen laut Metzlers Einschätzung in den nächsten zwölf Monaten nicht markant ansteigen dürften.
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